Gemeinsame Erklärung von Senat, Hochschulrat und Hochschulleitung

2020 12 18 Erklärung Machtmissbrauch

Gemeinsame Erklärung des Hochschulrats, des Senats und der Hochschulleitung der Hochschule für Musik und Theater München gegen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt

Wir – der Hochschulrat, der Senat und die Hochschulleitung der Hochschule für Musik und Theater München – möchten in einer gemeinsamen Erklärung im Zusammenhang mit dem aktuellen Strafprozess gegen einen ehemaligen Professor unserer Hochschule unsere Haltung hinsichtlich Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt noch einmal ganz deutlich kundtun:

An unserer Hochschule ist kein Platz für Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt. Dafür stehen und arbeiten wir gemeinsam mit vielen Mitgliedern unserer Hochschule kontinuierlich seit dem Bekanntwerden der ersten Vorwürfe vor mehr als fünf Jahren und werden das auch weiterhin tun.

Unabhängig von konkreten Strafverfahren und deren Verlauf möchten wir unser Mitgefühl für alle Betroffenen ausdrücken. Es ist uns schmerzhaft bewusst, dass Menschen im Zusammenhang mit unserer Hochschule großes Leid erfahren mussten. Dies darf nie wieder geschehen.

Unsere Botschaft ist deshalb klar: Machtmissbrauch, Diskriminierung und sexualisierte Gewalt sind durch nichts zu rechtfertigen. Bei laufenden Verfahren unterstützen wir die ermittelnden Behörden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Sobald es uns als Hochschule möglich ist, weitere Schritte zur Aufarbeitung der Vergangenheit zu unternehmen, ohne dabei laufende Straf- oder Disziplinarverfahren zu gefährden, werden wir dies mit aller Entschiedenheit tun.

Bei allen Bemühungen ist es unser größtes Anliegen, betroffene Hochschulmitglieder und insbesondere unsere Studierenden so zu unterstützen und zu stärken, dass sie die verschiedenen Beschwerdewege – innerhalb und außerhalb unserer Hochschule – nutzen und ihr Anliegen zu Gehör bringen können. Unser Netz an verschiedenen Beschwerdestellen bietet dafür einen geschützten Raum. Die bewusste Entscheidung der Betroffenen, wie mit ihrer Beschwerde umgegangen werden soll, steht dabei im Zentrum unserer Bemühungen und ist für uns oberstes Gebot.

Unsere Lehrenden sind sich heute mehr denn je ihrer besonderen Verantwortung für die Ausgestaltung eines respektvollen Verhältnisses mit ihren Studierenden und für die Wahrung einer professionellen Distanz bewusst. Im Verbund mit vielen weiteren Kunsthochschulen werden wir auch in Zukunft daran arbeiten, dass eine wertschätzende und respektvolle Kultur der Lehre überall selbstverständlich wird.

Wir sehen der Wahrheit ins Gesicht: Ein ehemaliger langjähriger Präsident unserer Hochschule ist ein rechtskräftig verurteilter Sexual-Straftäter. Ein weiteres Strafverfahren wegen mehrfacher Vergewaltigung und Drogenmissbrauch gegen einen ehemaligen langjährigen Professor unseres Hauses ist noch nicht abgeschlossen. Diese Wahrheit ist Teil unserer Geschichte und prägt unsere Gegenwart und Zukunft. Für uns ist sie deshalb gleichermaßen Verpflichtung und Verantwortung, uns mit aller Kraft für einen nachhaltigen Wandel unserer Hochschulkultur, des gesamten Musik- und Kulturlebens und damit auch der ganzen Gesellschaft im Umgang mit Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt einzusetzen.

gez. für den gesamten Hochschulrat, Senat und die Hochschulleitung:                                                                                        

Dr. Ursula Wurzer-Faßnacht                                                    Prof. Dr. Bernd Redmann

Vorsitzende des Hochschulrats                                                Vorsitzender des Senats und Präsident